Die therapeutische Beziehung

Unbestreitbar ist wohl, dass eine erfolgreiche und heilsame, eine langfristig wirkungsvolle Therapie, maßgeblich von der Beziehung zwischen Klient*in und Therapeut*in abhängig ist, sind doch Beziehungen, soziale Kontakte und Kommunikation essentielle Bestandteile im Leben eines jeden Menschen!

So sollte es im therapeutischen Geschehen, innerhalb therapeutischer Prozesse (auch) immer darum gehen, eine fruchtbare Beziehung aufzubauen und diese zu unterhalten. Und besonders im Falle eines lebensverändernden Ereignisses, wie es beispielsweise ein Schlaganfall darstellt, der nicht nur die*den Betroffene*n vor Herausforderungen stellt, sondern auch umfassend Auswirkungen auf das gesamte soziale Umfeld nach sich ziehen kann.

Was genau macht eine „gute“, eine adhärente Beziehung aus und wie ist diese zu charakterisieren?

Man kommt nicht umhin, das Gelingen der therapeutischen Beziehung maßgeblich mit den Fähigkeiten des*der Therapeut*in zu koppeln. Neben fachlichem Wissen spielen dabei soziale Kompetenzen eine große Rolle. Der Anspruch an Therapierende ist sehr hoch, denn: Wann immer man in eine neue Beziehung eintritt, so sollte man sich als Therapeut*in bewusst sein, dass dieser Prozess durch die eigene Sozialisation geprägt ist.

Was genau bedeutet dies? Zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort mit den jeweiligen gesellschaftlichen Strukturen, bildet sich also die Persönlichkeit. Es werden bestimmte Wahrnehmungs- und Äußerungsformen erlernt, beziehungsweise habitualisiert. Habitualisiert im Sinne Pierre Bourdieus: Es handelt sich um unbewusste, automatisierte Verhaltens-, Handlungsmuster und um internalisierte Werte und Vorstellungen.

Alles dies bringt der*die Therapierende mit ein in die Beziehung zur Klientel. Doch um nicht in stereotypisierte (Ent-)Wertungen des Gegenübers zu verfallen, um eine individuelle, den ganz konkreten Bedürfnissen des*der Klient*in nachkommende Therapie zu gestalten, so ist es sinnvoll und wichtig, dass immer wieder eigenes Verhalten reflektiert und somit bewusst gemacht wird. Das Unbewusste bewusst machen! Ohne Vorurteile und Werte in eine Beziehung eintreten und das Gegenüber in seiner Gesamtsituation wahrnehmen – Dies ist die Aufgabe Therapierender.

Geschieht dies, so kann eine ebenbürtige Beziehung entstehen, in der die Beteiligten auf einer vertrauensvollen Basis (inter-)agieren können. In der nicht nur der*die Therapeut*in direktiv, gar autoritär den therapeutischen Prozess vorgibt und aufzeigt, sondern in der auch (und vor allem) der*die Klient*in eine aktive und autonome Rolle einnehmen kann. Der Wunsch nach dem sogenannten „shared decision-making“, also dem gemeinsamen Treffen aller Entscheidungen im therapeutischen Vorgehen, wächst ohnehin.

Gelingt es dem*der Therapeut*in eigene Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu hinterfragen, zu reflektieren, das Gegenüber empathisch zu erfassen, so trägt dies in hohem Maße dazu bei, eine ebenbürtige und wirkungsvolle Beziehung aufzubauen, in dem die Klientel die Chance bekommt, sich frei und ohne Ängste, Befürchtungen oder Hemmungen, zu entfalten.

Autorin:

Marie Jung ist Ergotherapeutin (B. Sc.) und übt ihre Berufung in der ERGO LOGO PRAXIS BERLIN in Berlin Charlottenburg aus

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